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Heimat duftet wie Jasmin

Für jeden der teilnehmenden Jugendlichen bedeutet „Zuhause“ etwas anderes. Es geht um positive Gefühle und Assoziationen. Foto: Gisela Torres-Hernandez

von Susanne Jasper

Jugendliche entdecken „Mein Zuhause“ in einem theaterpädagogischen Projekt.

Wie riecht zu Hause? Für ein junges Mädchen, das vor zwei Jahren aus Syrien geflohen und nun in Braunschweig zu Hause ist, hat Heimat immer noch einen Duft: Jasmin. Die Symbolblume der Stadt Damaskus. Ein anderes Mädchen, das zwar in Deutschland geboren worden ist, aber immer noch oft in dem russischen Dorf ihrer Großmutter, ihrer Onkel und Tanten die Ferien verbringt, erinnert sich beim Duft von Schaschlik an diese heiteren Stunden im Sommer. Wenn die Stimmung ausgelassen ist, alle feiern, es ein bisschen nach Schweiß, Tanz, Schaschlik und Wodka riecht. Und für wieder ein anderes Kind ist das Pfeifen des Samowars der Inbegriff von zu Hause.

Was also ist Heimat? Ein bloßer Ort? Oder doch eher eine Erinnerung, ein Gedanke oder ein Gefühl? Kann man Heimat schmecken, riechen, auf der Haut spüren wie Gänsehaut? Das Haus der Kulturen Braunschweig hat in Kooperation mit dem Theaterpädagogischen Zentrum für Braunschweig und die Region (TPZ) ein Projekt initiiert, welches diese Fragen thematisiert. Kinder und Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund zwischen 10 und 15 Jahre haben mit Anna Fagan, Theaterpädagogin des Spielraum TPZ, nach Antworten gesucht. Sie haben sich seit Oktober zu einer Theaterreise aufgemacht, um alles rund um den Begriff Heimat zusammen zu tragen.

Dabei ging es weniger um Gegensätze oder Unterschiede, die natürlich zwangsläufig sind, wenn man unterschiedliche Orte als Heimat hat, sondern vielmehr um positive Assoziationen mit dem Gefühl von Heimat, so Anna Fagan. Gemeinsam mit ihrer Assistentin Gisela Torres-Hernandez hat sie mit den Kindern Videos gedreht, Interviews aufgenommen und mit den Mädchen und dem einen Jungen szenische Bilder entwickelt, die sich nun collagenartig zu einer Werkstattaufführung zusammensetzen. Ein bisschen sei es wie in dem Erfolgsroman Tschick gewesen, so Anna Fagan: Einfach mal losfahren, machen, ausprobieren und gucken was passiert. Diese theaterpädagogische Arbeit saugt ihren Honig weniger aus textlastigen Proben, als aus Vertrauensübungen, Bewegungsstudien, Bildern mit Musik und tänzerisch-spielerischen Elementen. Die Aufführung ist gewiss gut und schön und natürlich unbedingt notwendig, aber viel wichtiger ist indes der Weg zur Premiere, das Kennenlernen, das Erzählen, das selbstbewusste Sich-Öffnen für einen Bühnenraum.

Der Stoff aus dem Theaterräume sind liegt beim TPZ ja meist in dem, was die Agierenden mitbringen. Thematisiert oder theatralisiert wird die Lebenswirklichkeit der Mitwirkenden, so Sandra Masemann, theaterpädagogische Leiterin. „Interkultur steht bei uns weit oben“, sagt sie und hofft, dass dem ersten Kooperationsprojekt noch weitere folgen werden.

Aufführung der Theaterwerkstatt am Sonntag, 4. Dezember, 16 Uhr im Großen Saal des Hauses der Kulturen, Nordbahnhof 1, 38106 Braunschweig.

Maßgeblich gefördert von der Richard Borek Stiftung sowie der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und der Stadt Braunschweig.

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